Theorie

Die Gruppe Theorie, Kritik & Aktion | Berlin [TKA] ist eine linksradikale Gruppe.
In unserer politischen Arbeit verfolgen wir einen antinationalen, undogmatischen und emanzipatorischen Anspruch.
Wir wollen einen Teil dazu beitragen, die bestehenden gesellschaftlichen Herrschaftsstrukturen zu überwinden und gemeinsam Neues ermöglichen. Dabei wollen wir uns nicht auf feste Glaubenssätze verlassen, sondern in stetiger Debatte und einem Prozess der andauernden Reflexion Argumente neu bewerten.
Eine andere Gesellschaft ist möglich, wenn wir uns trauen uns für sie zu entscheiden und für sie zu kämpfen, statt uns der selbsterfüllenden Prophezeiung von der Unveränderlichkeit der Welt hinzugeben. Es gilt zu erkennen, dass diese Welt aus Markt und Staatlichkeit, die allem und jeder*jedem einen Wert zuteilt, Menschen gemacht und alles andere als natürlich ist.

Kritik

Wir verstehen es als unsere Aufgabe, eine umfassende linksradikale Gesellschaftskritik zu üben. Diese Kritik muss erkennen, dass Herrschaft und Unterdrückung nicht das Ergebnis schlechter politischer Verwaltung oder gieriger Individuen, sondern im Kapitalismus selbst begründet sind. Der Kapitalismus zwingt alle, vom Individuum bis zur größten ökonomischen Gemeinschaft, zum alltäglichen Ringen um Reproduktion. Das bedeutet auch, dass es keinen „guten“ Kapitalismus geben kann, was es ausschließt einen „besseren“ Kapitalismus, welcher Form auch immer, zu fordern, sondern seine Überwindung notwendig macht.
Doch der Kapitalismus ist nicht der einzige Unterdrückungsmechanismus. Wir halten nichts davon grundlegende Herrschaftsstrukturen zu Nebenwidersprüchen zu erklären.
So ist Sexismus nicht erst ein Problem der kapitalistischen Gesellschaft. Patriarchale Herrschaftsstrukturen sind allgegenwärtig und als eigene Unterdrückungsmechanismen zu bekämpfen. Ebenso wie im Falle von Homo- und Transfeindlichkeit werden Biologismen als Grundlage zur Aufrechterhaltung dieser Strukturen herbei imaginiert. Diese gilt es gesamtgesellschaftlich aufzulösen.
In Zeiten der europäischen Abschottungspolitik ist Rassismus besonders stark im Alltagsdiskurs vertreten. Das darf jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass er ein stets präsentes Problem war und ist. Seine Ausprägungen reichen vom unreflektierten Umgang innerhalb scheinbar aufgeklärter Strukturen, über die Unterscheidung von guten und schlechten Flüchtenden bis hin zu offener körperlicher Gewalt und Terror.
Den Antisemitismus sehen wir nicht, wie in Deutschland gern behauptet, mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges als verschwunden und die Auseinandersetzung mit ihm keinesfalls als überflüssig an. Er zeigt sich sowohl in Form eines offenen antisemitischen Vernichtungswillens als auch in Form eines strukturellen Antisemitismus, wie er sich beispielsweise in Verschwörungstheorien und der Hetze gegen „die da oben“ manifestiert.
Dem Staat mit seiner bürgerlichen Ordnung und repressiven Struktur können wir nichts abgewinnen. Von parlamentarischer Politik erhoffen wir uns keine grundlegenden Verbesserungen der gesellschaftlichen Verhältnisse. Den nationalistischen Mythos, den er aufrecht erhalten soll, versuchen wir ebenso zu bekämpfen wie seine völkischen Anhänger*innen.

Eine Kritik reaktionärer Ideologien umfasst dabei auch eine Kritik an vielem, was sich links(-radikal) nennt. Linke Kämpfe sind kein Selbstzweck und ihre Ziele und Praxis nicht prinzipiell immer richtig.
Die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft mit all ihren Unterdrückungs- und Herrschaftsmechanismen zu überwinden, bedeutet für uns, über sie hinaus zu gehen, statt hinter sie zurück zu fallen. Fortschrittsfeindlichkeit, die Glorifizierung vorkapitalistischer Gesellschaften und das ideologisierte Klatschen für den Realsozialismus oder die kleineren Übel gehören nicht zu unseren Interessen. Wir halten nichts von Armutsverherrlichung und personalisierten Schuldzuweisungen, die durch die Vermittlung des Gefühls den „Guten“ anzugehören die eigene Rolle im System beschönigen und vom verschwörungstheoretischen Stammtisch nicht weit entfernt sind. Die Aufgabe einer linksradikalen Praxis muss es schließlich sein, das gute Leben für alle einzufordern, statt es zu verurteilen.

Kurz gesagt geht es uns also um eine Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse in ihrer Gesamtheit. Diese Kritik ist essenziell und es gilt sie wirksam werden zu lassen.

Aktion

Um den gesellschaftlichen Verhältnissen erfolgreich die Stirn bieten zu können, bedarf es einer handlungsfähigen Organisation linksradikaler Interessen. Diese Organisation kann ihre Radikalität nur außerparlamentarisch aufrechterhalten.
„Aktion“ steht in unserem Fall nicht für einen kurzsichtigen Aktionismus, sondern viel mehr für eine jeweils dem aktuellen Zeitpunkt und Anlass angemessene Praxis. Diese Praxis ist dabei veränderbar. Es gilt also mit ihr zu experimentieren um erfolgreich zu intervenieren: In die Gesellschaft. In die Bewegung. In die Köpfe der Menschen.
Diese Intervention kann, je nach Situation, beispielsweise in Form altbekannter Widerstandsformen auf der Straße stattfinden, sich in Diskursen und verschriftlichten Theorien äußern oder gänzlich neue Formen annehmen.
Denn den Kommunismus und eine Welt ohne Unterdrückungsmechanismen möglich zu machen, bedeutet zunächst, sie denkbar zu machen und zu erkennen, dass sich diese Unterdrückungsmechanismen nicht von selbst beseitigen werden.

Theorie, Kritik & Aktion | Berlin [TKA]

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